Du weißt vielleicht, dass ich beruflich mehrere Bälle in der Luft habe: Ich jongliere einen Hauptjob – eine halbe Stelle als Soziologin bei der Münchner Stadtverwaltung – mit meiner BALANCE-Arbeit, in der ich sowohl als Coach als auch als Seminarleiterin, Impulsrednerin und Autorin tätig bin. Wie man bei so einer Jonglage nicht aus dem Gleichgewicht kommt und alles glücklich vereint, habe ich mal in einem Artikel beschrieben.
Auf der Wippe des Lebens – siehe mein BALANCE-Logo – musste ich seit Ende 2015 jedoch ganz schön intensiv balancieren, um ungeplante Schwankungen auszugleichen und nicht runterzufallen. Ich hab’s erfolgreich und relativ unbeschadet geschafft, aber es war nicht leicht. Ich möchte Dir hier gerne erzählen, wie ich es hingekriegt habe und welche Risiken & Nebenwirkungen das für mich mit sich brachte.
Hier geht’s also um die vielzitierte Work-Life-Balance und darüber, wie ich dabei meine eigenen Seelenbalancieren-Methoden brauchen konnte. Vielleicht sind ein paar Gedankenanstöße für Dein eigenes Leben dabei. Das würde mich freuen!
Zwölf Wochen Überstunden: erst aufbauen, dann abschmelzen
Um einen bestimmtes Projekt fertig zu kriegen, habe ich für eine begrenzte Zeit in Absprache mit meiner Chefin in meinem Hauptjob richtig viel Zeit und Kraft reingepowert. Letztendlich war’s – viel länger als ursprünglich gedacht – von November 2015 bis Mitte August 2016.
Das war für mich eine absolute Sonderphase! So will und kann ich nicht dauerhaft arbeiten. Es hat schon seinen Grund, warum ich auf Teilzeit bin und mein berufliches stabiles Standbein mit meinem beglückenden Tanzbein kombiniere.
Immerhin hat dieser Ausnahmezustand nun den schönen Effekt, nach Absprache über einen langen Zeitraum hinweg zwölf Wochen (!) Überstunden abschmelzen zu können und nur noch an drei statt fünf halben Tagen pro Woche ins Büro zu gehen, also eine halbe Stelle minus x zu arbeiten. Das Geld ausbezahlt zu bekommen, wäre für mich absolut keine Alternative. Ich will die ZEIT!
Mein mediterranes Arbeitszeitmodell
Ich bin stolz, dass ich’s richtig gut gepackt habe: den intensiven Hauptjob plus die Arbeit an meinem zweiten Buch plus am Tischaufsteller plus natürlich mein Familienleben … Das war nicht ohne … Ein Nachtmensch wie ich schreibt halt auch am späten Abend noch, wenn er am Nachmittag oder frühen Abend nicht dazu gekommen ist … Und sowohl beim Blog als auch bei den Buchprojekten, die sich inzwischen wunderbarerweise entwickelt hatten, wollte ich natürlich weiterschreiben. Das kostet mich nicht nur Energie, das bringt mir auch welche! Coachingtermine und andere Aufträge konnte ich nur im kleinen Maße annehmen.
Ich habe versucht, das alles mit meinem Biorhythmus in Einklang zu bringen: Da ich gut am Abend arbeiten kann, habe ich oft lange Bürotage bis 18 oder 20 Uhr, an einigen Tagen auch bis 22 Uhr, gemacht. Manchmal habe ich sogar meinen klassischen Besuch Freitag Nachmittag im Fitnessstudio an den Geräten und in der Sauna ausfallen lassen. Das will was heißen!
Ich bin bis auf eine Grippe nach den Pfingstferien, die ich von meinem Mann übernommen hatte, gesund geblieben: körperlich und psychisch gut bei Kräften, sicherlich auch wegen meiner „wahrhaft wahnsinnig wirksamen Wohlbefindenskapseln“ aus Obst, Gemüse und Beeren. Und weil ich meine bunten kleinen Pausen in Mini-Einheiten genommen, mir Entspannungsspaziergänge im Park, gutes Essen und manchmal ein Mittagsschläfchen im Saunaruheraum meines Fitnessstudios nebenan gegönnt habe. Morgens habe ich mir mit dem Bürostart Zeit gelassen und manchmal daheim noch etwas aufgeräumt oder Zeitung gelesen. Verlängerte Mittagspausen haben mir sehr gut getan.
Ab dem Spätnachmittag geht meine Aktivitätskurve glücklicherweise wieder rauf. Dieses mediterrane Arbeitszeitmodell war dank unserer Gleitzeitregelung, für die ich sehr dankbar bin, gut machbar.
Risiken und Nebenwirkungen
Im Rückblick muss ich jedoch feststellen, was ich in den harten Monaten an Nebenwirkungen abgekriegt und währenddessen ausgeblendet hatte:
- Ich war wegen Dauerübermüdung – spätabendliches Schreiben plus morgendliches Aufstehenmüssen wegen der Familienaufgaben! – und trotz der Mittagspausen im kleinen Maß koffeinabhängig. Ohne den täglichen Cappuccinokick konnte ich mir’s nicht vorstellen.
- Ich habe relativ unkontrolliert Schokolade konsumiert. Da ging nix mehr mit Selbstkontrolle …
- Mein rechter Fuß hat an der Unterseite zu schmerzen begonnen, sodass ich im Sommer bestimmte Einlagen und Schuhe nicht mehr tragen konnte.
- Ich habe zum ersten Mal seit elf Jahren viele Wochen am Stück auf Qigong verzichtet. Mit der Entscheidung, die Stunde gar nicht mehr im Kalender einzuplanen, ging es mir immerhin besser, als jeden Montag frustriert zu sein, weil ich doch wieder länger im Büro bleiben wollte, um etwas Bestimmtes fertig zu kriegen.
- Meine Einschlaflektüre bestand nur noch in leichten bayerischen Regionalkrimis. Schwerere Kost ging gar nicht.
- Mein Ablageberg mit Unterlagen wuchs und wuchs …
- Und natürlich musste ich meine Privatkontakte auf ein Minimum runterfahren. Familienurlaube und -wochenenden lösten eher Bedrohungsgefühle („Ich bin gerade im vollen Lauf! Wie soll ich meine Arbeit dann schaffen? Eigentlich kann ich mir gar nicht leisten, jetzt freizunehmen.“) als Vorfreude aus.
Wieder in meinem Gleichgewicht
Inzwischen – nach vier Wochen Abwesenheit vom Büro am Stück und nun drei Wochen neuem Arbeitsalltag mit schon einigen freien Tagen daheim mit Zeit für Freundinnentreffen und zum Rumkruscheln – kann ich freudig sagen:
- Ich bin wieder „koffein-clean“. Einen Bio-Cappuccino mit Koffein gönne ich mir einmal pro Woche am Freitag zusammen mit meiner geliebten knusprigen Butterbreze. Aber ich brauche den Kick nicht mehr, um fit zu sein. Hin und wieder mache ich mir eine koffeinfreie Version zuhause.
- Seit dem Sommerurlaub konnte ich prima meinen Schokokonsum auf ein – für mich – Normalmaß runterfahren.
- Durch viel Zuwendung mit gezielten Übungen und Massagen ist mein Fuß wieder schmerzfrei. Ich habe mir also die Zeit für meine Basis genommen, und das hat viel gebracht!
- Auf die bald neu beginnenden Qigongstunden freue ich mich. Im Urlaub habe ich alleine für mich geübt, unter meinem Lieblingsbaum oder auf der nächtlichen Wiese bei Mondschein.
- Ich lese wieder Bücher im englischen Original. Falls es Dich interessiert: Ich habe mit meiner Lieblingsautorin J.K. Rowling angefangen, erst ihren neuen Cormoran-Strike-Krimi, dann das Harry-Potter-Theaterstück. Hoher Genuss!
- Ich spiele weiterhin mit meinem Sohn fast täglich Backgammon. Das haben wir im Urlaub begonnen.
- Nach Langem haben mein Mann und ich wieder angefangen, einmal pro Woche Tango zu tanzen. Wir hatten nicht nur wegen körperlicher Zipperlein, sondern auch wegen meiner Eingebundenheit in Job plus abendliche BALANCE-Arbeiten aufgehört. Freude!
- Und ich habe sogar so viele innere Kapazitäten frei, dass ich spontan in den letzten beiden Wochen einen beglückenden Handlettering-Kurs absolviert habe. Das wird sich hier im Blog und in meinen geplanten Online-Kursen bald niederschlagen.
Die Wippe hat sich also in die andere Richtung bewegt. Erst hatte ich vieeeeeeeeeel Arbeit. Nun profitiere ich davon und habe durch die neue Arbeitszeitregelung seit langem mal wieder Frei-Zeit, zum Spielen, Tanzen, Lesen und Nixtun! Und einen freien Kopf für neue kreative Dinge. Das belebt mich ungemein, ich blühe geradezu auf!
Und jetzt Du: Wie kriegst Du intensive Arbeitsphasen gut hin? Wie begrenzt Du sie, um wieder auf ein Normalmaß und zu Erholung zu kommen?