BALANCE - Dr. Alexandra Bischoff info@balance-bischoff.de

ANNA erzählt: Mamagefühle oder „Gib ihnen Flügel“

Kinder können eine super Kraftquelle sein, sie können einem aber auch den letzten Nerv rauben. Manchmal liegt’s jedoch gar nicht am Sohn oder der Tochter, sondern an bzw. in uns selbst, wenn wir wegen des Nachwuchses aus dem Gleichgewicht kommen …
Schau mal, was meine Unterstützerin ANNA dazu zu erzählen hat – und wie sie sich über ihre Gedanken und ihren Körper selbst wieder in Balance bringt – Seelenbalancieren in Reinform:

Ja, manchmal glaube ich echt, ich bin eine Glucke, eine Helikopter-Mutter, overprotective – oder was man sonst noch Diskriminierendes sagt über Mamas, die sich gern um ihr Kind kümmern und ihm viel abnehmen wollen. Mir gefällt ja für mich besser das Bild von Mrs. Weasley, der engagierten und besorgten siebenfach-Mutter von Harry Potters FreundInnen Ron und Ginny. Aber auch die muss damit klarkommen, dass ihre Kinder ziemlich gut ohne sie auskommen …

Ein typisches Beispiel aus meiner eigenen Familie: Unser Teenager-Nachwuchs ist zwar ziemlich häuslich, hat aber manchmal irgendwelche Mehrtagesausflüge. Davor laufe ich jedes Mal zu nervöser Hochform auf, ob unsere „Nr. 1“, – es blieb bei einem Kind, aber umso mehr stimmt dieser Titel ;-)  – auch wirklich an alles denkt, was sie brauchen könnte. Und zwar bitte für alle möglichen Notfälle des Lebens!

Dabei unterschätze ich regelmäßig, wie unabhängig Nr. 1 inzwischen ist: Als ich sie neulich überraschend nach einer einwöchigen Klassenfahrt vom Zug abgeholt habe, ist sie mir nicht in die Arme gefallen – das wäre ja auch zuu schön gewesen -, sondern ist an mir vorbei gegangen und hat dabei gemurmelt, „ich hatte mich schon so gefreut, allein mit der U-Bahn heimzufahren“. Mamafrust …

Gerade ging’s um einen Wochenendausflug mit der Clique in die Berge. Es wurde am Vorabend spät und später, gepackt war noch nix. Das stresst mich! Am liebsten würde ich dann selbst alles herrichten. Geht natürlich nicht. Also anschieben, Ratschläge geben, nachfragen … Unser Sprössling blieb erstaunlich gelassen und signalisierte, nicht bemuttert werden zu wollen. Als ich anbot, am Abfahrtstag extra mittags heimzukommen, um das Broteschmieren und Rucksackpacken wenigstens im Hintergrund zu begleiten, stieß ich bei Vater und „Kind“ auf Unverständnis. Meine Angebote verpufften im Off …

Hilfe, die haben ja Recht – so überbemutternd will ich doch gar nicht sein, das widerspricht total meinen pädagogischen Ansprüchen! Autonomie, Selbstständigkeit, Lernen aus Erfahrungen – so etwas will ich fördern. Trotzdem ging’s mir nicht gut.

Ich spürte, wie sich die ganze Situation richtiggehend in meinem Nacken als Verspannung festsetzte. Da fiel mir der alte Selbstcoachingtrick ein: Was würde ich meiner besten Freundin in dieser Situation raten? Als Beraterin meiner selbst musste ich nach Langem mal wieder an den Weisheitssatz denken, den wir damals auf die Geburtsanzeige unseres Wunschkindes geschrieben hatten:

„Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln.
Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“
(Aus Indien)

Damit ging’s mir schon ein Stück besser. Das mit den Wurzeln haben wir, glaube ich, prima hingekriegt. Jetzt ist’s Zeit für die Flügel!

Und meine eigenen Flügel habe ich dann auch spontan entfaltet: Da es eine warme Sommernacht mit schönem Mondlicht war, habe ich auf unserem Balkon eine kleine Sequenz Qigong eingelegt. Es hatte, wie immer, eine  wunderbare Wirkung, und schon nach circa zehn Minuten fühlte ich mich ruhig, entspannter, zuversichtlich und gestärkt. Ich konnte nun ins Bett gehen und mich drauf verlassen, dass unser großes Kind das schon alles gut hinkriegen wird.

Nr. 1 war übrigens beim Packen ziemlich autonom und hat die Gegenstände, die wir eifrigen Eltern (ja, auch der Papa!) noch als „just in case“-Hilfen beigesteuert haben, absichtlich daheim liegen lassen: Regenhose, Thermofolie, Küchenpapier … Und natürlich wurde es für alle Familienmitglieder ein schönes Wochenende.

ANNA hat sich also einerseits über „Reframing“, nämlich den gedanklichen Umweg, was sie einer Freundin raten würde, und über das stärkende Zitat, das sie zu positivem Denken bewegt hat, gestärkt. Andererseits konnte sie sich mit den harmonisierenden Bewegungen und der tiefen Atmung beim Qigong über Bodyfeedback aus ihrem hausgemachten Stress helfen.

Und jetzt Du: Wie bringst Du Dich in innere Balance, wenn Du Dir wegen Deines Nachwuches zu viele unnötige Sorgen machst?

PS: Das Foto zeigt übrigens die Flügelsandalen einer antiken Hermes-/Merkurstatue im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel. Sind die Flügelchen, auch am inneren Knöchel, nicht entzückend?

6 Kommentare

  1. Petra

    Liebe Sandra,
    eine (für mich) sehr nachvollziehbare ANNA-Geschichte. Unsere Kinder bleiben im Innersten ein Leben lang unsere Kinder, und was wir Eltern oft mühsam lernen müssen, ist Vertrauen. Es ist ein großes Glück, erwachsene Kinder mit starken Flügeln zu haben – und trotzdem bleibt eine Restsorge, diese Flügel könnten ja auch mal schwach werden oder brechen. Da fällt mir ein Witz ein, den ich mal gelesen habe:
    Sagt die Hundertjährige:
    „Seit meine Kinder im Altersheim sind, muss ich mir endlich keine Sorgen mehr um sie machen.“
    Also: weiterhin Gelassenheit üben und sich über starken Nachwuchs freuen! ANNA macht das schon richtig!

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    1. SandraSandra (Beitrag Autor)

      Liebe Petra,
      herzlichen Dank für Deine Ermutigung, Deine Bestätigung und auch den Witz! Ich werde alles ANNA ausrichten.
      Liebe Grüße
      Sandra, sich in Gelassenheit übend und sich über den starken Nachwuchs freuend

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  2. Annett Gracjalna

    Liebe Sandra, hier melde ich mich auch mal wieder zu Wort, weil es gerade mein Thema ist. Der Witz von Petra lässt mich schmunzeln und Sie schreibt ganz richtig:“… was wir lernen müssen, ist Vertrauen.“…Mir hilft da auch sehr das Gedicht von Khalil Gibran °Deine Kinder sind nicht deine Kinder° . Unser Sohn (21) ausgelernt, Arbeit und eigene Wohnung, hat das gerade alles gekündigt und möchte mit einem Freund etwas ganz anderes machen…Wir können nix tun, einfach da sein und ihn auffangen falls es nicht so läuft wie er es sich vorstellt. Und da lerne ich gerade, viel Vertrauen ins Leben zu haben und zu denken das alles einen tieferen Sinn hat . Im Grunde lebt er das von dem wir auch schon geträumt haben. Du siehst es hört nicht auf sich Sorgen zu machen auch wenn unsere Kinder erwachsen sind. Irgendwo ist die Mutterglucke immer da. :-))
    Liebe Grüße von Annett

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  3. SandraSandra (Beitrag Autor)

    Liebe Annett,
    ui, das ist schon eine andere Größenordnung als nur Rucksackpacken, womit Euer Sohn Euch konfrontiert. „Da lerne ich gerade, viel Vertrauen ins Leben zu haben und zu denken, dass alles einen tieferen Sinn hat“, schreibst Du. Wow, dass Du das so sehen kannst! Und wie schön für Euren Sohn, dass er Euch hat und Ihr so zu ihm steht! Ihr gehört zu seinen Wurzeln, zu denen er im Notfall zurückkehren kann. Ihr werdet ihn auffangen! Aber womöglich wird er das gar nicht brauchen. Er spreizt seine Flügel und fliegt – wie Ihr Euch das für Euch auch vorgestellt habt. Wie Petra schreibt: „Es ist ein großes Glück, erwachsene Kinder mit starken Flügeln zu haben (…).“
    Viel Kraft für Dich, von Mutterglucke zu ebensolcher , und viel Glück für Deine ganze Familie (besonders Deinen Sohn)!
    Liebe Grüße, Sandra

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    1. Annett

      Liebe Sandra,
      ja da wäre mir „nur“ Rucksackpacken lieber ;-)), es lief alles so schön „geregelt“….. ich lerne alles positiv zu sehen und merke das dies ein Lernprozeß ist und nichts passiert einfach so, es war kein Zufall das er best. Menschen begegnet ist und jetzt diesen Weg ausprobieren will. Ich halte mich da an Robert Betz, der sagt: „es gibt keinen Zufall, es fällt dir zu..“
      Vielen Dank für deine lieben Worte auch dir weiterhin viel Erfolg und alles Gute für dich und deine Familie

      Drückerle

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      1. SandraSandra (Beitrag Autor)

        Liebe Annett,
        und wieder muss ich Dich zitieren, weil ich’s wunderbar finde, was Du schreibst: „Ich lerne alles positiv zu sehen und merke, dass dies ein Lernprozess ist (…)“
        Du schreibst auch: „Es lief alles so schön ‚geregelt'“ … Ja, nix bleibt, wie’s ist – das stellt sich immer wieder raus. Lebenslanges Lernen, flexibel bleiben und allen Dingen etwas Positives abgewinnen, sind tolle Strategien. Und Ihr wendet sie an, wie man sieht.
        Ich bin sicher, wenn Euer Filius Eurer Meinung nach in „falsche Kreise“ geraten wäre, würdet Ihr Euch sehr wohl schützend einschalten. Dass Ihr ihn bei seinen neuen Plänen gewähren lasst, ist ein Zeichen Eures großen Vertrauens in ihn und das Leben.
        Nochmal alles Liebe!
        Sandra

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