Mein Beitrag zu Dr. Mara Stix‘ Blogparade zum Thema „Dankbarkeit“ – witzigerweise bin ich genau jetzt darauf gestoßen, als ich sowieso diesen Wochenimpuls veröffentlichen wollte. :-) Zufall, Fügung?
Wofür in meinem Leben bin ich dankbar? … Wie kann ich das zeigen? … Wem? … danken, Dank sagen … das Schöne und Bereichernde sehen … es nicht als selbstverständlich nehmen … Erntedank der anderen Art: Was habe ich gesät, was darf ich ernten? … Wem verdanke ich was? …
„Ich bin dankbar, nicht weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht.“ (Seneca)
Tipp: Den Nachdenkimpuls wirken lassen und immer mal wieder hinspüren, wie es Euch im Laufe der Woche damit geht. Über Berichte freue ich mich!
Hallo Alexandra,
du hast mich mal wieder inspiriert zu schreiben. Ich hab ein Cluster zum Thema Dankbarkeit gemacht und raus gekommen ist dieser Text. Ich danke dir immer wieder für deine Anregungen.
Dankbarkeit
Mama
„ Danke !“ : sagt meine Mama, als sie mich mit weit aufgerissenen Augen, die Hände zusammengefaltet vor sich stehen sieht. In meinen kleinen Patschhändchen befinden sich gefühlte tausend Schlüsselblumen. Die Freude macht meine Äuglein feucht, als Mami durchs Wohnzimmer rauscht, auf der Suche nach der größten Vase und dem besten Ort. Sie bleibt kurz stehen und kneift die Augen zusammen, ihre Stirn wird ganz faltig. Denkt sie nach !!!!
Diesen Blick kenne ich zu gut. „Oh, nein ! Die Blumen haben sie nicht vergessen lassen, was ich gestern ausgefressen habe.“ Wenn ich geglaubt habe,
dass ein riesengroßer Strauß das Vergessen beschleunigt hatte, habe ich mich wohl gewaltig getäuscht. Mucksmäuschen still stand ich da. Nicht mal ein Augenzwinkern ließ erkennen, dass ich noch am Leben war. Obwohl sich die Gedanken in meinem Kopf überschlugen, hatte ich doch meine Sprache verloren. „ Wie konnte ich sie denn anders, um Verzeihung bitten?“ Wütend, wie ich gestern war, hatte ich „Du blöde Kuh!“ zu ihr gesagt. Aber immerhin hatte sie mich ebenfalls als faul bezeichnet. Was ich nach meiner Sichtweise ganz sicherlich nicht war. Also nun, wer musste als erstes ein „Tut mir leid“ sagen und damit die ersten Worte des Verzeihens aussprechen.
Ich hatte mit den Blumen eigentlich den Anfang machen wollen. Doch sprechen konnte ich nicht, weil ich glaubte, mit meiner Äußerung im Recht zu sein. Sie hatte den Anfang gemacht mit der Faulheit und einer Predigt, ohne nachzufragen, was ich den ganzen Tag getan habe. Ich wollte ihr auch nicht so einfach vergeben und alles vergessen. Ich senkte meinen Blick, denn ich hatte Angst, dass sie meine Gedanken lesen konnte. Für mich war diese Situation nämlich unerträglich. Ich liebte meiner Mutter zu sehr, als dass ich ihr lange böse sein konnte. Mein Vater hatte sich schon aus dem Staub gemacht und ich war doch über alle Maßen dankbar, dass mir wenigstens die Mutter blieb. Mir kam es vor als vergingen Stunden, als meine Mutter endlich etwas sagte. War allerdings höchstens eine Minute. Ich war so froh, dass sie mich aus meinem Gedankenrad heraus holte. Glaubte ich doch langsam durch das lange Schweigen, der Teufel zu sein. Sie befreite mich mit einem Lächeln. Und dann begann sie mir zu erklären.
Der liebe Gott hat diese Blümchen auf die Wiese gesät. Sie nahm mich an die Hand und ging mit mir hinaus.
Ich hatte keine Ahnung, was sie von mir wollte, doch das Gefühl sie so nah zu spüren, gab mir eine unheimliche Geborgenheit. Ich fühlte mich wieder sicher und das wichtigste, keiner musste über gestern reden. Wir hatten uns in diesem Moment mit unseren Händen, vergeben. Doch nun wollte ich auch wissen, was sie mir erzählen wollte.
Auf einer saftig grünen Wiese, mit den wunderschönsten, farbenprächtigsten Blumen stehend, fragte ich: „ Mama, wie sieht Gott aus?“
Sie setzte sich und klopfte mit der Hand auf den Rasen neben ihrem Oberschenkel. Ganz nah hockte ich mich zu ihr. Selten verbrachten wir Zeit miteinander. Ich war dankbar für diesen Moment so nah bei ihr zu sein und wünschte die Zeit stehe still. In den Wolken blieb sie tatsächlich für einige Minuten stehen. „ Schau mein Kind! Gott ist überall, in den Wolken, auf der Erde und in uns allen.“ Wer sonst, könnte so bezaubernde Bilder erschaffen.
Überall um uns herum standen meine Lieblinge, nämlich Schlüsselblumen.
Mami knickte eine ab und gab sie mir in die Hand. „Und nun?“ Sieht ganz schön mickrig aus so ein einzelnes Blümchen. Ich stand auf, weil ich dachte, sie würde mich damit auffordern noch einen Strauß für sie zu sammeln.
Ihre Hand zog mich wieder in Richtung Boden. „Sieh dir dieses Blümchen genau an.“ Ich konnte nichts sehen, außer ein kleines Blümchen. Sie betonte noch mal: „Sieh dir diese Pflanze genau an und beschreib mir, was du siehst.“
Also begann ich: „ Ich sehe einen grünen langen Stiel ohne Blätter. Ist auch gut so, denn deshalb kann man ja auch so viele abreißen und zusammenbinden.“ Meine Mutter runzelte die Stirn. Hoffnungsloses Kind, doch sie versuchte es weiter. „Was siehst du noch?“ „ Na die Blüte, die ist erst grün und vorne sind gelbe Blümchen dran.“ „Weiter!“ Ich zerbrach mir den Kopf, konnte aber nichts mehr finden.
„Überleg einmal genau, was dieser Blume noch fehlt, dass sie leben kann?“
„Eine Vase und Wasser?“ Meine Mutter wollte schon aufgeben, als ich fortfuhr.
Ich war bekannt und berühmt dafür, dass ich erst redete und dann nachdachte, aber zum Schmunzeln brachte ich viele Menschen. Wusste ich doch genau, auf was sie hinaus wollte. „ Mama, ich weiß! Die Wurzel, die Erde und das Wasser in der Erde.!“ Jetzt lachten wir beide. „Und, was sagt dir das?“ Meine Augen füllten sich auf einmal mit Wasser und ich fühlte, dass ich dieser Blume das Leben genommen hatte. Binnen kurzer Zeit ließ sie den Kopf hängen und ich war voller Trauer. Ich hatte den Blumen, die jetzt auf Mamas Tisch standen, ihre Lebendigkeit geraubt. Sie würden in kürzester Zeit verwelken. Jetzt kam ich dahinter, was sie mir damit zeigen und sagen wollte.
Nie wieder knickte ich eine Schlüsselblume ab. Es gab ja auch noch andere, die sich länger in einer Vase hielten, wie Unkraut wuchsen und trotzdem schön aussahen. Doch Schlüsselblumen lässt man besser auf einer Wiese stehen.
Dankbarkeit bedeutet für mich zu reflektieren. Den Kontakt zu Mutter Erde immer herzustellen, um sich die Lebendigkeit zu erhalten. Dankbar sein, dass ich Geschichten für die Ewigkeit schreiben kann. Dankbar sein, heißt zu fühlen.
Ich danke meiner Mutter ganz besonders für einen Spruch, den ich als Kind immer wieder hörte: „Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo wo ein Lichtlein her!“ Und es stimmt sogar.
Liebe Grüße
Ramona
Liebe Ramona,
vielen herzlichen Dank (da haben wir wieder das Thema „Dankbarkeit“!) für Deine persönliche Geschichte, die mich auf mehreren Ebenen sehr berührt!
Und auch für Dein tolles Feedback: Gesagt zu bekommen, dass ich mit meiner Arbeit andere schaffe anzuregen oder gar inspirieren, ist für mich etwas ganz besonder Schönes.
Liebe Grüße nach Mexico und weiterhin viel Lese- und Schreibspaß
Sandra